23 August, 2012

Tragehilfen Testreihe: Brit*x

Während wir in der Kita sind, gibts für euch den nächsten Tragehilfen-Testreihe-Post
Immer Donnerstags möchte ich versuchen euch einige Tragehilfen vorzustellen, die ich ausprobiert habe.
Bitte beachtet, dass es sich hier ausschließlich um meine Erfahrung und meine persönliche Meinung handelt. Ich gebe weder Trageberatung noch möchte ich eine Kaufempfehlung abgeben. Jedes Kind und jede Mama (jeder Papa natürlich auch) sind anders, aber vielleicht hilft meine Erfahrung euch dennoch bei der Entscheidung.
Letztes Mal stellte ich euch den MeiTai vor.

Eigentlich möchte ich den Brit*x von R*mer gar nicht so recht vorstellen, denn bereits bei meinem ersten Eindruck schnitt diese Tragehilfe nicht besonders gut ab! In unserer Stadt habe ich aber schon viele Eltern ihr Kind mit einem Brit*x tragen sehen, deshalb wollte ich ihn zumindest ausprobieren.

Da ich dem Hersteller nicht schaden möchte, und sonst mit dem Hersteller sehr gute Erfahrungen gemacht habe, werde ich die Namen von Hersteller und Babytrage nicht ausschreiben...

Wie sieht die Tragehilfe aus:
Bereits die Verpackung der Tragehilfe schreckte mich ab. Darauf abgebildet ist ein Baby das mit dem Gesicht nach vorne getragen wird! Nanu? Haben die sich da vertan?



Als ich die Tragehilfe aus der Verpackung holte, kam die nächste Überraschung! Was ist denn das für ein Material?! Ganz und gar nicht weich und gemütlich! Es fühlt sich eher künstlich und kalt an! Wie Zeltplane oder Rucksackstoff...
Dennoch hab ich die Tragehilfe weiter ausgepackt und entwirrt... Auf dem ersten Blick sieht die Tragehilfe nämlich ziemlichen Wirrwarr aus. Viele Viele Gurte und Bänder, da musste ich tatsächlich die Anleitung hernehmen und mich einlesen.



Der Preis:
Einen aktuellen Preis für die Tragehilfe konnte ich nur schwer finden. Vielleicht hat der Hersteller seine fragliche "Erfindung" mittlerweile vom Markt genommen? Gerüchten zufolge beträgt der Neupreis um die 100 Euro. Bei Eba* und Eba* Kleinanzeigen findet man die Tragehilfe aber schnell. Dort gehen sie im Schnitt für 60 bis 70 Euro über die Ladentheke

Die Bindemöglichkeiten
Die Babytrage kann auf dem Rücken und vor dem Bauch getragen werden. Dabei soll das Kind scheinbar sowohl mit dem Köpfchen zur Mutter oder mit dem Köpfchen nach vorne getragen werden können. Ich hab für euch nur die Tragemöglichkeit vorm Bauch, mit Zuckermädchens Köpfchen zu mir ausprobiert. Ich hoffe ihr habt Verständnis dafür, dass ich meine Kleine nicht der, meiner Meinung nach eher rückenschädigenden Haltung mit Gesicht nach vorne aussetze.


Das Binden der Babytrage erfolgt über ein Gurtsystem mit Schnallen. Wenn man den Trick kennt, geht es wirklich super schnell. Die Babytrage kann von Geburt (Minimum 3,5 kg) bis zum Kleinkindalter (Maximum 14,5 kg) verwendet werden. Ein Einsatz für Säuglinge ist vorhanden, diesen habe ich aber nicht ausprobiert.

Die Handhabung
Nach Einlesen in die Bedienungsanleitung (die übrigens in 27 Sprachen ausgefertig ist UND nochmal als Bildanleitung in die Trage gedruckt wurde) ist die Tragehilfe recht einfach zu bedienen. Zuerst schnallt man sich das Pferdegeschirr die Babytrage selbst um, schnürt alles fest. Erst dann kommt das Kind hinein. 
Dass man sich die Tragehilfe umschnallen muss finde ich sehr gewöhnungsbedürftig. Ich bin mir nicht sicher, ob ich es gut finde, oder nicht... Bei anderen Babytragen werden Baby und Mama direkt aneinandergeschnallt -Haut an Haut-, bei dieser Tragehilfe werden Mama und Kind durch das Gurtsystem irgendwie voneinander getrennt. Jeder steckt in seinem eigenen Gurtsystem.

Sehr praktisch finde ich jedoch, dass die Babytrage lediglich mit zwei Klipsen im vorderen Schulterbereich befestigt wird. Wenns dann man wirklich schnell gehen muss (ihr erinnert euch? Quengelmädchen macht Muttermilchretoure... oder noch schlimmer! Breiretoure *ürgs*), ist das Kind mit einem kurzen *klips* *klips* schon befreit.








Genau so schnell *klips* *klips* ist das Kind auch wieder IN der Trage, denn die Klipsvorrichtung ganz easy mit einer Hand zu bedienen....
(allerdings nur, wenn man keine langen Haare, oder zumindest einen Zopf trägt. Bei mir liegen die Haare genau über den Klipsen, da wirds mit dem Schließen der Babytrage schon wieder kompliziert! Zum Haare wegstreichen und gleichzeitigem Festklipsen benötigt man nämlich wieder zwei Hände.)

Das Material habe ich ja schon weiter oben angesprochen... hm... Das ist ja alles andere als bequem. Ganz hart und kalt. Zwar abwaschbar, aber ich vermute nicht so wirklich atmungsaktiv. Bei nem Sommerspaziergang läuft den Kleinen da ganz schnell der Schweiß runter.

Das Gurtsystem verteilt das Gewicht schön gleichmäßig auf Schultern, Rücken und Hüfte. Das kann ich zumindest für einen kurzen Tragemoment bestätigen. Wie es bei längeren Spaziergängen aussieht, weiß ich nicht...

Der Grund dafür?
Auf den Bildern sieht mans eigentlich schon, die Tragehilfe ist fast eine Zumutung für den Kinderrücken. Die Anhock-Spreizhaltung ist bei dem Modell nicht gewährleistet. Stattdessen wird das Kind durch die feste Form der Babytrage ins Hohlkreuz gedrückt. Das kleine Kindergewicht wird zwar für Mamas Rücken toll verteilt, beim  kleinen Menschen lastet das gesamte Gewicht auf dem kleinen Becken.

Beim Tragen mit Gesicht nach vorne wirds noch schlimmer. Wie kann das Baby sich wohlfühlen, wenn es mit dem Gesicht nach vorne getragen und den vielen Reizen und Umwelteinflüssen ausgesetzt wird? So ein kleiner Mensch kann mit dieser Reizüberflutung doch noch gar nicht umgehen. Es bekommt doch eher Angst und sehnt sich danach, sich an seine Mama zu kuscheln. Wird es mit Gesicht nach vorne getragen, hat es keine Chance dazu. Es ist den Reizen völlig schutzlos ausgeliefert. Noch dazu rutscht das Kind durch diese Fehlhaltung ins Hohlkreuz.
Also nur ganz schnell ein Foto von der Tragehilfe gemacht und schnell wieder abgeschnallt.


Das Kind:
Naja... da ich mein Zuckermädchen wirklich nur ein paar Minuten in der Trage hatte kann ich keine Aussage darüber machen, ob es ihr gefällt oder nicht...

Für die Ungeduldigen hier nochmal alles kurz zusammengefasst:
+ einfaches verschließen der Tragehilfe wenn das Kind drin sitzt
+ Gewicht des Kindes wird gut verteilt
+ Viele Einstellmöglichkeiten
+ durch Gurtsystem sind die Einstellmöglichkeiten fixiert. Einmal einstellen = passt beim nächsten Mal
+ Neugeboreneneinsatz ist vorhanden (aber nicht ausprobiert!)
+ Zum Tragen auf dem Rücken und vor dem Bauch geeignet

- Tragen mit Kopf nach vorne wird beworbend
- Kind kann sich nicht an Eltern kuscheln wenn alles zu viel wird
- Hohlkreuz beim nach vorne gerichteten Tragen
- Kein Rundrücken keine Anhockspreizhaltung
- Material fühlt sich künstlich und kalt an
- Umschnallen der Trage erinnert an Umschnallen eines Pferdegeschirr


Meine Meinung:
Diese Babytrage und ich werden KEINE Freude. Schade, der Hersteller kann das eigentlich besser!


Lieblingsgrüße!

Kommentare:

  1. oh gott, oh gott, oh gott. was bin ich froh, dass du dein mädchen nur ganz kurz mal reingesetzt hast.
    eltern, die sowas regelmäßig benutzen, würde ich am liebsten auch mal so ein ding nähen und reinsetzen. ist bestimmt herrlich bequem :-/

    nunja.

    dein bericht ist aber echt neutral geworden. ich glaube, ich hätte nicht so an mich halten können ;)

    glg
    halitha

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    1. Huhu Halitha...
      Ja, es waren nicht mal 5min und das Zuckermädchen hat auch nicht gelacht, wie sonst in jeder Trage...

      Zugegebenerweise war das Version 2 des Testberichtes... ich habe ihn im Nachhinein noch mal neutralisiert, denn wie gesagt habe ich mit dem Hersteller sonst noch keine Schwierigkeiten gehabt...

      meine Meinung zu der Trage kann man ja dennoch gut herauslesen...

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  2. Wenn ich das sehe, wie Eltern ihre Kinder immer wieder mit dem Gesicht nach vorne Tragen, kann ich immer kaum an mich halten, nicht hinzugehen... aber leider so lange die Hersteller auch anderer Firmen damit werben, haben die leider die höhere Autorität als ich... und wollen Eltern es wirklich wissen, dass jemand sie so wie sie es auffassenin ihrer Art zu erziehen kritisieren, wo doch namenhafte Hersteller es als gut und richtig bewerben??
    Leider hab ich keine guten Erfahrungen gemacht, als ich solche Eltern sehr vorsichtig darauf angesprochen habe...

    LG, Christina

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    1. Das Problem ist ja, dass diese Eltern tatsächlich denken, sie tun ihren Kindern etwas Gutes!
      Ich hab mich noch nicht getraut, die Leute hier darauf anzusprechen...

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