14 Juni, 2016

Und welche Rolle spielst du in deinem Leben?

Wir alle spielen Rollen in diesem Schauspiel, dass sich Leben nennt.
Es ist unser Leben. Unser eigenes! Und doch lassen wir uns in Rollen drücken, nehmen Rollen an, reißen Rollen an uns.

ich könnte mich nichten behaupten, dass ICH nur ICH bin.

Ich bin Mama. Ganz klar, denn ich habe eine Tochter und diese Rolle wurde mir gegeben. Ich habe sie dankbar angenommen, erfülle ihre Pflichten und Aufgaben, freue mich über ihre Belohnungen und Erfahrungen.
Ich bin aber auch Tochter! Ich liebe meine Eltern, bin gerne bei Ihnen. Ich schenke ihnen meine Zeit mit dieser Rolle. Genieße es, mich in einigen Dingen einfach auf sie zu verlassen und erlaube ihnen sich in anderen Dingen auf mich zu verlassen.
Und ich bin Schwester von zwei tollen Brüdern. Sie passen auf mich auf, ich passe auf sie auf. Diese Rolle wurde erst mit der Zeit immer wichtiger. Sie beruht auf Gegenseitigkeit.
Ich bin Enkelin und sehr stolz darauf noch so tolle und fitte Großeltern zu haben. In dieser Rolle spiele ich gerne, wenn auch sehr selten. Sie gibt mir meistens mehr zurück, als ich geben muss.
Aber ich bin auch Ingenieurin. Natürlich, denn ich arbeite in meinem Job gerne und gut. Diese Rolle habe ich mir verdient und mit dieser Rolle verdiene ich meinen Lebensunterhalt.




Aber das ist noch lange nicht alles.
Ich bin Freundin, Patentante, ich bin Exfrau, Traumfrau und Kumpel, Hauseigentümerin, Nachbarin, Brötchenverdienerin, Arbeitnehmerin, Finanzen-im-blick-Halterin, Erzieherin, Trainerin, Autorin, Bloggerin, Näherin, Selbermacherin, Organisatorin, Mitarbeiter, Hausfrau.

Soziale oder existentielle Rollen, die unausweichlich sind, oder mir mit meinem sozialen Umfeld zugewiesen werden.

Und dann sind da noch die Rollen, die ich für mein eigenes Ego an mich reißen will. Psychologisch begründet und manchmal auch situationsgebunden.
Ich will fitte Sportlerin sein, Ernährungswissenschaftlerin, selbständige Designerin, eine femme fatale, eine tattowierte Rebellin, eine Bestimmerin, das süße Unschuldslamm, ein Sonnenschein, eine gute Seele, eine Positivdenkerin, das liebe Kind, die aktive Powermama, eine flirty Augenklimperin, die kreative Supermom, eine bewusste Genießerin, eine selbstbewusste, eloquente Frau, die taffe über-den-Dingen-Steherin


Kleine und große Rollen, die mein Leben mal mehr und mal weniger beeinflussen.
Die ich mal mehr und mal weniger intensiv spiele.

Aber wo in dem ganzen Rollenspiel bin ICH? 

Das klingt so einfach: "eine Rolle spielen". Sich hineinversetzen in die Rolle. Sie spielen, danach wieder man selbst sein. Wie ein Kind, dass in eine Verkleidung schlüpft.

Dabei vernachlässigt man aber die Wechselwirkung zwischen den einzelnen Rollen!
Als Mama will ich Vorbild sein, zwar streng aber immer mit einer guten Portion Alberheit, liebevoll, geduldig, tröstend, herzlich.
Als Arbeitnehmerin möchte ich souverän sein, kompetent, sachlich.
Als Bloggerin möchte ich vor Lebensfreude sprühen, quirlig sein, inspirieren.

Keine meiner mir gegebenen Rollen "spiele" ich.
In allen Rollen bin ich ICH, was mir mal mehr, mal weniger gut gelingt.

Ein Rollenspiel im wahrsten Sinne des Worte ist es aber bei den mir selbst auferlegten psychologischen Rollen.
In diesen Rollen verstelle ich mich schon ab und zu.
Vorfahrt genommen und von dem Autofahrer doof angemacht worden. Da spiele ich am besten ein zerknirschtes süßes Unschuldslamm.
Perfektes Gemüselastiges Quinoa mit Hähnchenfleisch gekocht, das weckt doch sofort die kompetente Ernährungswisschenschaftlerin in mir, die die Schokoküsse und Cookies vom Vortag ganz einfach überspielt.
Ihr wisst wie ich das meine. Ich brauch euch nicht sagen, wann ich femme fatale sein will, oder?


Die ganzen Rollen, die wir uns selbst aufzwängen sollten wir uns regelmößig bewusst vor Augen halten.
In welchen Rollen bin ich gut? Welche Rolle fällt mir zu spielen schwer? In welcher Rolle fühle ich mich wohl, in welcher fühle ich mich unwohl. Welche Rolle will ich behalten, welche will ich ablegen.


Und welche Rollen spielt ihr?


Lieblingsgrüße




Kommentare:

  1. Freundin, Partnerin, Schwester, Tochter, Enkelin, Nichte, Schwiegertochter in Spe, Näherin, Kreativling, Handarbeiterin, Handwerkerin, Musikerin, auf-die-Figur-Achterin, Lehrerin, Weltverbesserin, Erziehende, Ratgeberin, Beschützerin, Glückskind, Anziehungskraft...

    Ich hör lieber auf, das wird ja endlos X-D

    Liebe Grüße,
    Anna

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    1. Liebe Anna, ich bin mir ganz sicher, dass das noch lange nicht alle Rollen waren.
      Bei dir, so wie bei mir ;)
      Und je länger man darüber nachdenkt und je mehr man in sich geht, desto mehr weitere Rollen fallen einem ein...

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    2. So ist es. Und wenn man sich dann überlegt wo sie sich überschneiden... ich habe da wohl doch noch den Vorteil, dass die große Rolle der Mutter fehlt, die scheint mir eine der größten zu sein. Bin gespannt, wie sich die Maschinerie der Rollen zu gegebenem Zeitpunkt dann verändert... Viel Glück dir weiterhin! Du scheinst die Rollen ja langsam in eine gemeinsame Richtung zu lenken

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  2. Wie heisst es so schön, I'm a bitch, I'm a lover, I'm a queen, I'm a mother... Viel Spass in deinen Rollen!

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  3. Das ist ein ganz interessanter und irgendwie nachdenklicher Post. Zumindest macht er mich nachdenklich. Danke dafür! Ich zähle meine Rollen nicht auf - das sind zu viele. Ich frage mich gerade, wann und woran merkt man, wenn man eine Rolle angenommen hat, sie selbst ausgesucht und gewünscht hat, dass diese Rolle dich beherrscht und du keine Zeit zum atmen hast? Wie kann es passieren, dass man eine Rolle so lange und intensiv spielt, das man irgendwann merkt, dass in dieser Hauptrolle bin ja gar nicht ich?

    Liebe Grüße, Jana

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  4. Hui - was für ein Wahnsinns-Blogbeitrag! Du bringst es wieder voll auf den Punkt, liebe Linda: wir haben so viele Rollen im Leben. An diese sind natürlich auch Erwartungen anderer geknüpft. Manchmal ist es schwer, sich zwischen Ihnen zu entscheiden. Aber hey: das Leben ist bunt und jeder einzelne von uns ist es auch! Also: machen wir was draus! ;-)

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Und was denkst du darüber?