25 Februar, 2016

Der morgendliche Wahnsinn - Kindern werden selbstständig...

An so manchem Morgen, falle ich direkt nach Ankunft an meinem Arbeitsplatz total erschöpft und schwer atmend auf meinen Stuhl, die Haare sind zauselig, die Schweißperlen stehen mir auf der Stirn und der Puls rast...
Und zum ersten Mal an diesem Tag scheine ich wieder aufzuatmen...

Nein, ich habe nicht etwa einen Marathonlauf hinter mir, bin rückwärts auf einem Bein zur Arbeit gehüpft oder knapp einem Verkehrsunfall entkommen...
Ich habe lediglich den allmorgendlichen Wahnsinn gemanaget und der ist an manchen Tagen wahnsinniger als an anderen Tagen.



Was den Morgen so wahnsinnig macht? Ein zuckriges Mädchen, das jeden Tag ein wenig selbstständiger werden möchte. Das Alleine-Anziehen klappt schon eine ganze Weile sehr gut. Doch gerade morgens geraten wir nicht selten aneinander:
Ich plane gedanklich den Arbeitstag, bereite gleichzeitig das Frühstück vor und bete innerlich, dass kein Milchglas umfällt, muss noch die Waschmaschine checken und meine Mails anstellen, die Spülmaschine beantworten und Nachrichten ausräumen, putze mir gleichzeitig die Zähne und schminke meine Wimpern...
Ich. Habe. Zeitdruck!
Davon versteht das Zuckermädchen in ihrern kindlichen, ungetrübten und regenbogenbunten Welt natürlich noch nichts. Das muss sie auch noch gar nicht nicht. Aber auch sie steht momentan unter Selbstständigkeitswerdungsstress (gibt es das Wort?).
Sie will es alles alleine schaffen. Vom Aufstehen, über das Waschen und Anziehen, bis hin zum Frühstück machen und im Auto anschnallen. Das war ich morgens nebenbei mache, während ich noch vier andere Dinge organisiere, ist für so ein kleines Mädchen jeden Tag eine große Aufgabe.

Lange sind wir hin und her geschwankt zwischen: "Komm ich helf dir kurz", "lass mich das lieber eben schnell für dich machen", "bitte hilf mir", "bitte hilf mir nicht" und "Mach es allein". Dieser ständige Wechsel ist für unsere morgendliche Struktur aber Gift gewesen.  

Warum muss ich heute alles allein machen, gestern hat Mama das doch alles gemacht, und warum will sie mir morgen helfen, wenn ich heute doch alles allein geschafft habe?

Klar! So geht das nicht. Also macht sie es nun jeden Morgen alleine! Aber wir behelfen uns dabei mit einigen Tricks, mit denen ich von ihr unbemerkt, doch unterstützen kann. Ich habe es für euch mal zusammengefasst.



Schnitt Oberteil BENTA



Die richtige Kleidung
Das A und O sind einfache Kleidungsstücke. Besonders für den Anfang!
Gürtel sind zwar ein superschickes Highlight, aber nichts für Kinder, die es selber schaffen wollen.
Hosen mit Gummibund oder Baumwollbündchen rutschen ganz einfach über den Popo und brauchen kein Knopf-Reißverschluss-Gefummel.
Statt der supersüßen Bluse, die im Rücken geknöpft wird, muss am Anfang ein superdehnbares Shirt her, das quasi von allein über das Köpfchen rutscht. 
Statt des geknöpften Cardigans gibt es dann erstmal eine Strickjacke mit Reißverschluss.
Schleifen binden muss jetzt echt noch nicht sein, Klettverschluss ist super cool! Für die Schleife nehmen wir uns mal mehr Zeit und weniger Druck.
Wenn es gut klappt, dann dürfen auch wieder anspruchsvollere Kleidungsstücke her.

Wo ist vorn, wo ist hinten?
Gerade das Mädchen achtet pingelig genau darauf, das das Shirt und die Strumpfhose auch richtig herum an den Körper gelangen. Da kann es schon mal zu einem verzweifelten Tobsuchtanfall kommen, wenn das Shirt keinen Aufdruck hat oder kein Schildchen im Nacken, an dem die richtige Seite erkannt werden kann.
Besonders am Anfang helfen kleine Tricks  á la: Das Schildchen kommt immer nach hinten.

Ich darf selber aussuchen.
Wählt zusammen mit dem Kind die Kleidung für den nächsten Tag aus. Um lange und dann auch stressige Situationen am Morgen zu verhindern machen wir das schon am Vorabend. Meist schlage ich ihr ein Outfit vor und sie nickt es ab, wenn ihr nicht der Sinn nach langer Klamottenwahl steht. Manchmal stehen wir zusammen vorm Schrank und sie sucht sich ein Lieblingsteil heraus, dass wir dann zusammen kombinieren.
Sie achtet mittlerweile selbst darauf, dass die Farben zusammenpassen und sich in den einzelnen Teilen wiederholen. Es macht mir aber auch nichts aus, wenn sie zum pinken Streifenrock das orange Blümchenshirt und die gepunktete rote-grüne Strumphose kombinieren will. Nur zweiRegeln gibt es: Es muss der Wetterlage entsprechen und Rock-zu-Kleid geht nicht.

Zu kalt!
Ein schier einfacher aber doch so logischer Tipp: Wärmt die Kleidung am Morgen auf der Heizung etwas vor. Gerade bei dem jetzigen nasskalten Wetter macht es überhaupt keinen Spaß sich aus dem kuschelig warmen Nachthemd zu winden und in die bibberkalte Jeanshose zu zwingen.
Ich lege ihre Kleidung schon abends im Badezimmer bereit. Dort ist es durch die Fußbodenheizung immer angenehm warm und auch die Klamotten werden so gleich viel wärmer und damit attraktiver.

Die Kleidung spielerisch vorbereiten
Das Shirt und Hose bereits auf rechts gezogen sein sollten, wenn das Kind das anziehen lernt, liegt eigentlich auf der Hand.
Ich bereite ihr gerne einen kleinen "Fußboden-Menschen" vor, der im Badezimmer auf dem Boden liegt.
Zuunter liegen Hose und Pullover, darüber Strumpfhose und Shirt und ganz oben Unterwäsche und Socken.
Die Kleidungstücke liegen so in der Reihenfolge bereit in der sie sie anziehen muss, zudem zieht sich den "Fußboden-Menschen" aus, während sie sich anzieht.

Mehr Zeit einplanen
Es dauert einfach länger morgens, wenn sie sich selber anzieht. Sie macht es schon ganz großartig und ich bin stolz und froh über die neue Selbstständigkeit. Dennoch geht sie dabei nicht so taktisch und zeitoptimiert vor, wie ich. Der Vorgang wird ständig durch kleine Spielereien unterbrochen, der kleine Knopf an der Hose braucht eben etwas mehr Gefummel, bis er sitzt... Um den Stress gering zu halten, stehen wir jetzt 10min früher auf. 


Ja, manchmal ist es wahnsinnig...
Wahnsinnig schön zu sehen, wie sie lernt und selbstständig wird und ich bin wahnsinnig stolz, dass wir das zusammen so toll meistern...

Lieblingsgrüße!

P.S.:
Und wenn ihr mir jetzt Tipps gebt, wir das Mädchen voller Begeisterung am Morgen alleine und freiwillig ihre Zähne putzt, können wir auch wieder 10min länger schlafen 

Kommentare:

  1. Den Tipp fürs Zähneputzen hätte ich auch gerne... Zwerg hasst zähneputzen. Weder selbst machen noch Mama machen lassen ist ok. ER saugt nur die Zahnpasta runter und fertig ist er.
    Alleine Anziehen ist bei uns noch nicht gefragt - wenn ich frage ob er es mal probieren will bekomme ich als Antwort "ich bin klein".... aber wenn ich es mache wird rumgehampelt... ganz doof.
    Wenn wir es eilig haben, wird extra viel getrödelt und rum gezornt...
    Ich hoffe das bessert sich alles, bis ich im September wieder arbeite - sonst geht es mir ähnlich.
    Grüße Sonnenblume

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  2. Oh ja diesen Wahnsinn kenne ich auch - mal 2 - da kann man schonmal ins schwitzen kommen :) beim Zähneputzen hilft bei uns die Drohung mit dem Zahnteufel - der kommt nämlich wenn man nicht putzt - aber meine Kids sind erst 2 & 4 Jahre - da zieht das noch :) viele Grüße!! 😊

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  3. bei uns hat Musik geholfen beim Zähne putzen, Musik an und so lange putzen bis sie wieder ausgeht

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  4. Tja, wer kennt das nicht.... meine Damen sind 7 und 9 und trotzdem gibt es immer noch Morgen, an denen es nicht klappt. Die Grosse reagiert gut auch über Vernunft wenn sie nicht aufstehen mag, bei der Kleinen funktioniert es nur mit Musik. Entweder Radio oder eines ihrer Lieblingslieder im Stil von Noossa.
    Bei uns hat es einen Radiosender, der zur Zähneputzzeit ein Morgenspiel veranstaltet. Und dies dürfen sie hören während des Putzens. Sie rennen meist ins Badezimmer, um ja von Beginn an dabei zu sein.
    Vielleicht findest Du auch etwas in diese Richtung??
    Liebe Grüsse
    Sabine

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  5. Hallo ihr lieben...
    Ich finde es super was du dir alles für Gedanken machst damit die kleine es leichter hat ♡♡♡♡♡♡♢
    Ich bin Erzieherin und finde die Pädagogi von Maria Montessorie sehr ansprechend. Das berühmteste Zitat : "Hilf mir es selbst zu tun" ist mein Leitfaden in der pädagogischen arbeit. Falls du dich damit befassen willst hilft das stichwort: vorbereitete Umgebung. Da werden sicher noch einige Ideen bei Google gezeigt die dich interessieren könnten.

    Ganz liebe grüße
    Krysha

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    1. Liebe Krysha!
      ein ganz ganz toller Hinweis und ein richtig schönes Zitat! Das Stichwort hab ich schon ein- zweimal gegoogelt und ich bin immer wieder begeistert von den tollen Umsetzungsidee, die es unseren Kids so viel einfacher machen!

      Lieblingsgrüße!
      Linda

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  6. Hallo,

    wir haben hier ähnliches Chaos jeden morgen, allerdings x3. Wobei nicht immer alle (6,3, fast 2) selbstständig sein wollen - meist der Kleinste am meisten und die Große am wenigsten :-) Bei uns liegen auch alle Klamotten bereit und ich achte auf einfache KLeidungsstücke für die Kleineren. Wenn an mehreren Tagen davor alles prima geklappt hat, liegt auch schon mal ein kleines, kleckerfreies "Naschie" am unteren Ende des Stapels. Mag man doof finden, aber meine Räuber lieben kleine Überraschungen und Grüße von Mama, die im Alltag oft viel zutun hat.

    Zähneputzen handhaben wir so, dass morgens alle zusammen putzen. Also ich auch. Da hab ich etwas Kontrolle aber jeder putzt für sich. So richtig gründlich ist dann abends angesagt. Da putzen wir den Tagesdreck komplett weg und es muss für morgens mitreichen. Bisher fand unser Zahnarzt das Ergebnis immer ok.

    Ansonsten haben wir für mehr Selbstständigkeit unsere Küche umgestaltet: die Kinder haben einen Unterschrank als eigenen Geschirrschrank und decken meist selbst. Momentan deckt die Große für alle (dafür nehme ich auch Kindergeschirr) und ist sehr stolz darauf. Vorher hatte ich es am Abend vorher bereitgestellt. Und wir haben uns einen Toaster angeschafft und ebenfalls zugänglich plaziert, so können sie zwischen Toast (vorher aus dem Backofen) und Müsli wählen. Die Wahl zu haben und sich selbst bedienen zu dürfen wirkt hier Wunder auf ein entspanntes Frühstück.

    Ansonsten machst du dir so viele Gedanken, dass finde ich klasse! Ich mache mir die Gedanken immer erst, wenn irgendwas völlig schief läuft :-) Und das Motto soviel Selbstständigkeit wie möglich zulassen und dabei unauffällig helfen ist doch ideal.

    Viele Grüße,
    Maria von OstSeeRäuberBande

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    1. Liebe Maria,

      danke für den tollen Einblick in euren Räuberalltag!
      Ich finde die kleine Überraschungsidee ganz klasse! Das würde ich sogar selbst umsetzen... vielleicht nicht jeden Tag, aber wenn ich weiß, dass es besonders stressig werden könnte und auch ich besonders angespannt bin, kann so eine kleine Überraschung ja richtig schön die Laune heben! :D

      Beim Zähneputzen sind wir immer noch nicht weiter... der eigentlich dreiminütige Vorgang dauert mindestes 30min. Sie ist sehr abgelenkt dabei, spielt mit ihrem Spiegelbild, tanzt zwischendurch und steht dann auch mal minutenlang einfach nur herum. Aber das wird auch schon.

      Ganz toll finde ich, wie du Selbstständigkeit in der Küche umgesetzt hast! Eine Küchenschublade zum Selber-Tisch-decken gibt es bei uns auch. Und es ist toll, wie stolz sie ist, wenn sie uns beiden zum Frühstück Plastikbecher in unseren Lieblingsfarben und kleine Teller als Untertassen hinstellt.
      Auch, dass deine Räuber das Frühstück selbst wählen finde ich total klasse!

      Es ist doch aufregend, wie die Kleinen groß werden <3

      Lieblingsgrüße
      Linda

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