Da findet man nicht selten ein paar Stunden (oder sogar Tage) nach der Mahlzeit noch Nudeln und Ketchupreste an den unmöglichsten Stellen. Unter dem Tisch ist Pipifax! Könner lassen Ketchupnudeln auch im Schuhregal und unter dem Sofa wieder auftauchen.
Früher war das anders, denk ich mir manchmal.
Denn so wie früher bei meinen Eltern läuft es im Hause Pänge am Esstisch nicht:
Dass nur die Handgelenke auf dem Tisch liegen dürfen, die Unterarme jedoch nicht, war für mich als Kind nicht umsetzbar und erscheint mir heute als Erwachsene ebenso unnotwendig. Dass die kindliche Unterhaltung auf ein Minimum und kindliche Bewegung auf Null beschränkt werden muss, ist mir auch schon immer schleierhaft gewesen. Dass der rohe Matjes auch unter Würgen und mit Tränen in den Augen komplett gegessen muss, lässt mich heute noch schaudern.
Waren die Tischmanieren früher strenger?
Wenn es nach dem Zuckermädchen ginge würde wir komplett neue Regeln aufstellen.
Die Basis des ganzen ist eine äußerst ineffiziente Zeiteinteilung: 10% Essen, 90% Träumen, Spielen, Herumlaufen.
So gehts das natürlich auch nicht. Spaß hin oder her, ein paar Regeln müssen sein.
Aber Regeln, die ohne Hintergrundinformation gesetzt werden, sind schwer einzuhalten.
Ich erkläre dem Mädchen, dass ich mich gestört fühle, wenn ich ihren Nahrungsmittelmatsch im Mund anschauen muss. Oder dass man Bauchschmerzen bekommen kann, wenn man beun Essen nicht sitzen bleibt, sich sogar schlimm verschlucken kann.
Deshalb lauten unsere realen Esstischregeln wie folgt:
1. Wenn es grün ist, wird es zumindest probiert
Und das gilt auch für alle anderen Nahrungsmittel, die neu oder unbekannt sind. Das Zuckermädchen probiert tapfer von allem einen kleinen Bissen und darf dann auch sagen: Nein, das mag ich nicht!
Eine Extrawurst gibt es deswegen aber nicht. Das "Nichtgemochte" darf liegen bleiben, sattessen darf sie sich am Rest auf dem Teller.
2. Besteck ist manchmal nur Dekoration
Wenn wir zu zweit oder mit unseren Liebsten am Esstisch sitzen und es relativ trockene Nahrungsmittel gibt, habe ich nichts dagegen, wenn sie mit den Fingern isst. Pommes, trockene Nudeln, Kroketten, Salatsticks und Chickennuggets esse ich auch viel lieber mit den Fingern.
Das macht Spaß.
Einzige Abmachung: Wenn wir auswärts essen oder "fremde" Leute dabei sind, bleiben die Finger sauber!
3. Der Mund bleibt zu
Hier gibt es keine Alternative, da mich persönlich Kaugeräusche extrem aufregen und ich es persönlich sogar respektlos finde, wenn man seinem Gegenüber beim Essen in den Mund schauen muss. Das Zuckermädchen versteht und bemüht sich immer den Mund geschlossen zu halten. Sie vergisst es häufig, aber das ist wohl einfach so bei den Kleinen.
Erwachsene die mit offenen Mund kauen erwecken bei mir aber direkt ein Gefühl von Hass und Wut. Kennt das noch jemand?
4. Wir bleiben sitzen, bis wir aufgegessen haben.
Wer aufgegessen hat darf fragen, ob es okay ist, wenn man aufsteht. In der Regel ist es so, dass ich lange vor dem Mädchen fertig bin.
Wenn sie nach einem 9o minütigen Nudeldezimiervorgang immer noch träumend vor ihrem Teller sitzt, räume ich den Tisch schon ein wenig ab, spüle Teller, stelle die Spülmaschine an. Aber ich frage vorher immer: Ist es okay, wenn ich schon mal ein wenig abräume.
5. Mit dem Essen darf man spielen, aber angemessen,
Mit dem Essen spielen wir doch alle auf unsere Art und Weise. Die Kleinsten matschen, quetschen und drücken im Essen herum und erfahren die Nahrung mit allen Sinnen. Das Zuckermädchen beißt ihr Brot in verschiedene Formen und legt aus den Erbsen und Möhren kleine Gesichter.
Ich sortiere mein Essen gerne, esse sortenrein zuerst die Zucchinis, dann die Tomaten und am Schluss die Putenfleischstücke. Solange dabei auch gegessen wird, ist das in Ordnung.
6. Kuscheltiere dürfen in sicherer Entfernung zugucken
Zu gerne bringt das Mädchen ein Liebling aus der Kuscheltiersammlung mit an den Esstisch. Es soll aus dem Becherchen trinken, von den Kartoffeln naschen und den Mais probieren. Das ist zwar zuckersüß, aber muss wirklich nicht sein. Zum einen lenkt es fürchterlich ab, zum anderen müssen die Tierchen danach eine Runde in der Waschmaschine drehen. Die Tiere dürfen aber gerne dabei sein. Auf dem Tisch sitzen oder einen eigenen Stuhl haben. Während des Essens sind sie aber still!
Manchmal spricht sie dann doch mit den Kuscheltieren: Nein Euli, jetzt noch nicht. Ich muss erst aufessen, dann können wir spielen.
7. Messer und Gabel bleiben unten
Auch hier gibts keine Diskussion! Schwingende Messer wirken wie Drohgebärden, tanzende Gabeln werfen Nahrungsmittel durch den Raum. Nicht schön für das Gegenüber.
8. Gegessen wird am Esstisch... meisten
An so manchem Sommertag picknicken wir Mittags auf dem Rasen.
Gelegentlich feieren wir den Beginn des Wochenendes mit einem fiesen ungesunden Pommes-Snack vor dem Fernseher. Manchmal sind wir in ein Spiel vertieft, so dass ich das Abendbrot auf einem Tablett ins Kinderzimmer trage.
Das darf hier bei uns zu Hause gerne so sein. Manchmal.
Nur gefrühstückt wird grundsätzlich immer zusammen am Esstisch.
9. Kleckern ist erlaubt.
Mal ehrlich, das passiert den Besten! Auch mir fällt ständig was von der Gabel oder rutscht von Teller. Das ist total in Ordnung. Wichtig dabei ist nur, dass man das Verkleckerte selbst beseitigt oder zumindest tatkräftig dabei unterstützt.
Wenn ich mir unsere Regeln so anschaue, stelle ich fest, dass die sicher nicht Knigge-tauglich sind. Aber Essen ist für uns nun mal eher Spaß und Notwendigkeit und keine elitäre, förmliche Angelegenheit. Einerseits ist es wichtig, dass gute, wertvolle Nahrung in unseren Körpern landet, damit wir Kraft und Energie haben, andererseits ist es ein gemeinsames Beisammen sein, dass natürlich schön und gerne auch lustig sein darf.
Wie seht ihr das?
Welche Regeln gelten an eurem Esstisch?














