11 Oktober, 2016

Zufrieden alleinerziehend - daraus kannst auch DU lernen

Vor kurzem habe ich mich bei euch "geoutet".
Als Alleinerziehende (oder kurz "AE", wie ich direkt durch eure Kommentare gelernt habe) ist man mit dem ständigen Druck, nicht auszureichen, nicht alles zu schaffen, eventuell sogar versagt zu haben, immer konfrontiert. Die Gesellschaft lässt dich in dem Glauben, als Einelternfamilie nicht vollwertig zu sein und dem Standard nicht zu genügen.

Auch ich habe versucht diesem Druck stand zu halten. Habe Kräfte gesammelt, verbraucht und neue Kräfte lokalisiert. Habe gearbeitet, geplant, organisiert, gefürchtet, gebangt...
Bis ich irgendwann sagen musste: Ich kann nicht mehr!


Ich lebe jetzt seit fast eineinhalb Jahren alleine mit dem Mädchen. In dieser Zeit habe ich Gutes erfahren, aber auch einiges eingesteckt, und dadurch einiges gelernt.
Ich bin zufrieden alleinerziehend.






Ein paar neue Leitsätze haben sich in meine Lebensart eingeschlichen und festgesetzt. Sie gelten nicht nur für mich, nicht nur für Alleinerziehende. Bestimmt auch für DICH.
Lies es durch, schreib es ab, druck es aus!


Ich muss nicht alles Schaffen.
Plötzlich trägt man die ganze alltägliche Verantwortung allein. Natürlich gibt es den Kindsvater (bzw. die Kindsmutter), der sich nach wie vor rührend kümmert. Doch das Gefühl auf einmal allein zu stehen, ist unbestreitbar da. Ich muss das jetzt alleine schaffen.
Der Gedanke macht Angst und wirkt erschöpfend. Der zu bewältigende Berg an verschiedenen Verantwortlichkeiten ist riesig. Das Auto muss zum TÜV, die Heizung muss gewartet werden, der Telefonanschluss funktioniert nicht, die Jalousie ist defekt, das Kind muss zum Arzt, der Rasen steht kniehoch...
Ich habe damit aufgehört, alles zu schaffen. Ich habe mir eine 70% Regel angeeignet. Das reicht... 70% müssen laufen, der Rest ist egal... Hier mäht niemand den Rasen, während ich das Essen koche, er wächst dann eben eine Woche länger. Hier hängt niemand die Wäsche auf, während ich die Küche wische, so lange wir nicht am Boden kleben ist alles gut. Tja, ich mache eben nur eines von beiden. Dann wird eben nicht gebügelt. Dann gibt es eben nur einen Blogbeitrag pro Woche.

Und vielleicht muss man auch gar nicht alles allein schaffen? Es gibt immer jemanden, der einen hilfreichen Tipp hat oder gleich mit anpackt. Nach Hilfe fragen ist nie leicht und in dem Moment, in dem man alleine da steht, will man allen noch viel mehr zeigen, dass man es packt. Was du davon hast? Nichts, außer einer nie enden wollenden Todoliste.


Ich muss nicht immer Ja sagen.
denn manchmal ist eben ein Nein die richtige Antwort.
Aber gerade nach einer Trennung, will man um keinen Preis die Gemüter gegen sich aufwiegeln. Also sagt man ja... ja ja ja... na klar, natürlich.
Dass ein NEIN dich viel stärker machen kann, hab ich in diesem Beitrag gezeigt.



 


Ich muss nicht perfekt sein.
Die Wohnung knirscht, das Spülbecken ist fleckig, frische Wäsche wird aus dem Berg unsortierter Kleidung gezogen, linke und rechte Socken passen nicht zusammen und die Haare haben schon eine ganze Weile nichts außer dem Standard-Pferdeschwanz erlebt.
Hier war doch sonst immer alles picobello und tadellos?
Ich vergesse Termine und lasse meine Hausschlüssel an jeder Ecke liegen. Ich verkoche das Gemüse und lasse die Nudeln anbrennen.
Ich war doch sonst immer so strukturiert und durchgeplant?
Ich bin mir heute bewusst, dass Fehler machen dazu gehört. Nicht nur zu mir als alleinerziehende Mama, sondern zum Leben und zu jedem anderen Menschen auch.
Ich mache Fehler! Ich wette auch in diesem Blogbeitrag findest du mindestens 5 Tippfehler (Wehe, ihr sucht jetzt danach! )

Ich messe mein Selbstwertgefühl nicht an meiner Leistung.
Ich leiste, was ich leiste. Und das was ich leiste ist enorm! Meistens... manchmal auch nicht... Manchmal hänge ich nur ab. Sitz mit dem Mädel vorm Fernseher. Schmeiße bloß dinoförmige Hähnchenschnitzel in den Ofen, verzichte abends auf Abschminken. 
Na und? Ändert das etwas an meinem Wert? 
Absolut nicht!


Ich darf genießen.
Jedes zweite Wochenende und jeden Mittwoch ist das Mädchen bei ihrem Papi.
Diese Zeit gehört mir. Ich nutze sie nicht, um den liegengebliebenen Haushalt zu erledigen. Ich mache Dinge, die mir Spaß machen, die ich mit Kind nicht machen kann und die mir neue Energie geben. Ich gehe aus, ich treibe Sport, ich treffe mich mit Freunden. Und das mache ich ohne schlechtes Gewissen!
Mir ist völlig klar, dass ich der Mittelpunkt und die Basis für meinen kleinen Menschen bin. Aber das kann ich nur dann sein, wenn ich mich selbst wichtig nehme. 
(Sucht ihr immer noch nach Tippfehlern? Poah! Jetzt lese ich doch noch mal Korrektur!)


Ich darf gleichgültig sein.
Nein, es ist mir nicht völlig egal, was andere über mich reden und von mir denken. Gerade zu Anfang ging mir insbesondere das Gerede sehr nah. Warum mögen mich manche Menschen auf einmal weniger? Eine Trennung ändert den Menschen doch nicht! (Zumindest nicht sofort und unmittelbar.)
Ich habe mir so viele Gedanken gemacht. Wollte es allen recht machen.
Aber ich habe gelernt. Ich bin jetzt gleichgültiger. Wer mich so nicht mag, wie ich bin, für den werde ich mich nicht mehr passend machen.
Es trifft mich immer noch, aber mittlerweile ist es mir öfter egal, als dass es mich berührt. 


Ich brauche mit nicht rechtfertigen. 
Denn ich habe keine Schuld. Und auch sonst hat niemand Schuld.
Das Leben ist wie es ist und es geht seinen Weg.


Ich mach das Beste draus.
Das spricht für sich selbst, oder? Klar, den finanziellen Einschnitt merke ich... aber auch von günstigen Lebensmitteln wird man satt. Auch gebrauchte Kleidung hält uns warm. Und ein besonderes Event, wie ein Kinobesuch, ein dickes Eis in der Eisdiele oder sogar ein kleiner Urlaub wird dafür umso mehr zelebriert.



Diese Leitsätze befolge ich immer und überall!
... nicht!
Dieser Blogbeitrag ist nämlich auch ein kleiner Apell an mich.
Ich muss mich immer wieder daran erinnern und lerne immer wieder dazu. So läuft`s im Leben.
Oder wie seht ihr das?


Lieblingsgrüße!



Kommentare:

  1. Liebe Linda, ein wundervoller Apell und sooo wahr! Lieben DANK!! Drück Dich! Nicole

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  2. Ich bin zwar nicht alleinerziehend, kann deine Grundsätze aber trotzdem voll und ganz unterschreiben.
    DANKE! Manchmal vergisst man, dass es anderen Müttern genauso geht ;)

    LG Mira
    P.S.: Bei dir muss man die Tippfehler suchen, du machst einfach zu selten welche.

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    1. Naja, ich habe diesmal ja auch korrektur gelesen, liebe Mira :D

      Danke für deinen lieben Kommentar!

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  3. Hut ab! Deine Worte berühren mich sehr. Ich stehe gerade noch ganz am Anfang mit meinen 2 Mädels. Es ist schwer, aber deine Worte bauen mich gerade auf. Danke dafür.

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    1. Ich sende dir viel Kraft und Durchhaltevermögen, damit du DICH auf deinem jetzt bevorstehenden Weg nicht verlierst! Drück dich!

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  4. Auch ich bin nicht alleinerziehend, aber dass ich nicht allen beweisen muss, dass ich als voll berufstätige (und ich meine wirklich voll!) Mutter alles managen kann, müsste ich mir auch mal öfter sagen. Andere Situation aber deine Worte kann ich voll unterschreiben - und muss sie mir trotzdem öfter ins Gedächtnis rufen. Danke!
    Viele Grüße, Saskia

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  5. Ich ziehe immer wieder vor allein erziehenden Menschen den Hut. Behalte deine Grundsätze bei, lebe so wie du es für richtig hältst und sch... auf das Geschwätz der anderen. Ja ich weiß, es ist einfacher geschrieben, als es umzusetzen. Mich verletzt so etwas auch. Alles was dir passiert, passiert mir, obwohl ich nicht allein erziehend bin, ebenfalls. Also alles ganz normal. Ganz liebe Grüße Sandra

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  6. Ich war zwar nie AE, aber ich ziehe vor allen AE´s den Hut. Man benötigt schon viel Kraft das alles zu bewältigen, u. man kann sich mit keinem Partner ausreden. Du machst das bestimmt ganz prima. LG Elke

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  7. Ich bin zufällig auf Deinen Beitrag gestossen und habe ihn sehr interessiert gelesen. Ich war AE von 2 Jungs, die mittlerweile aus dem Haus sind. Leider hat sich der Vater irgendwann komplett verzogen, sodass ich nicht nur erzieherisch sondern auch finanziell ganz allein für alles sorgen musste. Das hat mich am Ende erdrückt und ich musste in vielen Jahre Therapie genau das lernen, was Du geschrieben hast.
    Ich unterstütze voll und ganz das, was Du schreibst. Es macht nicht nur anderen Mut, sondern Du bist Deinem Mädchen dadurch auch Vorbild. Oft sind eben unsere Ansprüche an uns selbst so enorm hoch, dass wir nur scheitern können und dann kommen gleich postwendend die Schuldgefühle. "Andere können das doch auch, warum ich nicht"! Aber die anderen schaffen eben auch nicht alles, verstecken das aber häufig. Darum freue ich mich sehr über Deinen Beitrag, der auch mich darin bestärkt, weiterzumachen - mit 70% oder auch mal weniger, mal mit mehr - je nachdem, wie es einem geht. Hoffentlich lesen noch viele diesen Beitrag (ohne nach Tippfehlern zu suchen :-))

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    1. Liebe Julie!
      Hab vielen Dank für deinen tollen Kommentar! Ich lese ihn und nicke dabei energisch :D
      Wir machen es uns manchmal einfach selber so schwer...

      Auf die 70%! :D

      Lieblingsgrüße!

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  8. Ich gebe Dir voll und ganz recht! Nur eins habe ich noch hinzuzufügen: Ich muss nicht alles sofort entscheiden! Das hat mich zu Beginn erdrückt, ich muss mich um alles kümmern und alles SOFORT ALLEIN entscheiden. Bis ich gemerkt habe, dass sich viele Probleme von allein lösen oder die Lösung von selbst kommt oder etwas nach einiger Zeit anders aussieht wie zu Beginn. Mit etwas Ruhe, Gelassenheit und guten Nerven kann man manches einfach abwarten, z.B. wie das nächste Weihnachtsfest gefeiert wird...das muss nicht jetzt schon entschieden werden!
    Liebe Grüße und habe Vertrauen in Dich!
    Sabine

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    1. Liebe Sabine!
      Das ist wirklich ungemein wichtig!
      Ein Punkt den auch ich gerne vergesse!
      Ich will immer alles sofort erledigt haben, weil ich denke, dass es mir besser geht, wenn ich Punkte von der Todoliste streichen kann... Tatsächlich mache ich mir damit aber schrecklichen Druck und STress.

      Bei deinem Weihnachtsfestbeispiel fiel es mir ganz deutlich ins Auge. Innerlich plane und schiebe und drehe ich schon wieder alles, damit die Termine für alle passen. Nein... das muss nicht jetzt schon entschieden werden! Also Ruhe im Kopf und Platz für angenehme Dinge schaffen.

      Danke dir für den tollen Kommentar!

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  9. Hallo. Auch wenn ich nicht AE (was bei mir im Geschäft übrigens Auftragseingang heißt) bin, stimme ich dir zu. Auch als Zwei-Eltern-Paar ist man diese Druck ausgesetzt. Als AE natürlich noch mehr. Und ich habe großen Respekt vor der Leistung.
    Ich habe Unterstützung vom Papa weil wir ein tolles Paar sind. Ich nehme mir aber dennoch auch bewußt Auszeit und mache es wie du. Dann wird gemacht worauf ich Lust habe und der liegengebliebene Haushalt bleibt da auch noch ne Weile liegen.
    Eltern müssen nicht perfekt sein. Niemand muss das. Jeder tut das was er kann.
    Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft dass du deine positive Einstellung immer beibehältst.
    LG Dana

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  10. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  11. h war selber eine geraume Zeit alleinerziehende Mama. Es ist nicht einfach und kostet ne Menge Kraft. Bleib stark und halte Dich an deine 70% Regel - die ich im übrigen wirklich gut finde. Die Wohnung muss nicht immer blitzeblank sein .... Der Rasen ? Wen interessierts ... Hauptsache dem Kind und dir geht es gut und ihr beiden macht das Beste aus allem. Ich wünsche dir auch für die Zukunft das Du so weiter machst und noch stärker wirst und an allen Steinen die dir von wem auch immer in den Weg gelegt werden einfach nur unglaublich wächst !! Ganz liebe Grüße , Alex von https://kaluade.wordpress.com/

    Sorry... hatte anfangs ne Fehlermeldung und jetzt hast du ein doppeltes Kommentar ... args. war nicht beabsichtigt.

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  12. Da gebe ich dir voll und ganz recht, geht es dir gut, geht es auch deinem Kind gut. Ich war 10 Jahre alleinerziehend mit allen Höhen und Tiefen, ich habe es nie bereut, denn wir hatten eine schöne Zeit miteinander. Meine Prinzessin ist jetzt schon seit einem halben Jahr ausgezogen und ich genieße ihre Selbständigkeit, unterstütze sie noch in kleinem Rahmen und wir sind die besten Freundinnen.
    Mach genauso weiter, trotzdem wünsche ich dir eine neue Liebe für dich und deine Süße.
    GLG
    Bine

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  13. Ach das hast du sooooo toll geschrieben. Eigentlich wissen wir das auch alle, oder? aber allzu oft nagt das schlechte Gewissen wegen irgendetwas an einem. ich musste auch langsam und schmerzhaft lernen das man nicht alles schaffen/leisten kann was man denkt tun zu müssen. danke für den mehr als nötigen lieben apell an alle betroffenen. drück dich ganz doll. herzensgrüße maria

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  14. Ja, als AE gibt es viel zu lernen und es dauert lange, bis man sich in der neuen Situation zurechtgefunden hat. Herzlichen Dank für deinen Mut, dich hier zu outen. Aber ist es eigentlich nicht auch tragisch, dass wir in solchen Fällen von "Outing" reden? Müssen wir uns denn dafür schämen? Leider ist es immer noch wie ein Stempel, denn man als AE aufgesetzt kriegt.
    Ich wünsche dir viel Kraft für deinen Alltag und hoffe, dass du im Blog öfters mal aus deinem Leben als ae Mutter erzählst.
    Lg aus der Schweiz

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  15. Hallo Linda, sehr schön geschrieben, das sind Punkte die man sich immer wieder neu bewußt machen muss. In wirklich sehr vielen Jahren komplett alleinerziehend habe ich auch lernen müssen mit meinen Kräften zu haushalten ;-)...werde mich noch ein wenig bei dir umschauen :-)
    Schöne Grüße
    Christine

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    1. Danke für deinen lieben Kommentar und deine Worte!
      Ich freu mich riesig, dich hier zu begrüßen und freue mich, öfter von dir zu hören! :D

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  16. Oh danke danke danke. Dieser Beitrag ist ein Seelenstreicheln für eine frisch Getrennte. Leider war ich "zusammen" auch diejenige die sich um alles alleine kümmerte und den Anstoß gab, mitdachte, organisierte, dass alles gemacht wird. Ich war nur noch am funktionieren (und das obwohl ich Vollzeit und der Papa "nur" 20 Std arbeitet) und oh Wunder, war immer gestresst.

    Alleine leben heißt für mich Durchatmen, Raum haben und akzeptieren - meine Bedürfnisse akzeptieren.

    Und ich kann es nur unterstreichen: wir müssen uns nicht rechtfertigen. Niemand hat Schuld. Doch wichtig ist, inne zu halten und daraus zu lernen. Sich selbst die Chance geben, aus dem was war, Fehlern,Erfahrungen, zu wachsen.

    JAWOLL! Das Leben ist wie es ist und es geht seinen Weg.
    Darauf heb ich mein Weinglas ;-)

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