16 Juni, 2017

Heute bin ich...

Unsere Kids lieben es sich zu verkleiden und in Rollen zu schlüpfen. Dabei probieren sie sich aus, vertreten die Rollen mit ihren besonderen und speziellen Eigenschaften ganz selbstbewusst.

Heute bin ich mutig wie ein Tiger!
Heute bin ich vornehm wie eine Prinzessin!
Heute bin ich grazil wie eine Ballerina!




Das Mädchen fasziniert das verschwinden in einer selbst erdachten Fantasiewelt genau so, wie jedes andere Kind! Manchmal höre ich sie in ihrem Zimmer wiehern, singen oder brüllen. Manchmal klingt es ganz lustig, so dass ich meinen Kopf durch die Tür stecken und zuschauen will. Meistens verstummt sie dann direkt und guckt mich mit verwirrten Kulleraugen an. Wie gerade aus einem Traum erwacht. Es ist keine Show. Nicht immer sind Zuschauer erwünscht.

Aber manchmal verschwinde ich selbst mit in ihrer Welt. Darf eine Rolle spielen, die sie mir zugeteilt hat. Und zwar genau so, wie sie sich MEINE Rolle in IHRER Welt vorstellt. "Du muss jetzt genau das und das sagen!"




super cooles Haifischkostüm - karneval universe


Ich erinnere mich sehr gut an eine Situation in meiner Kindheit. Damals war ich etwa so alt wie das Zuckermädchen. Ich lag in meinem Bett, konnte nicht einschlafen und baute mir eine neue Welt auf: Mit meinem eigenen Auto, ein kleiner roter Käfer, fuhr ich in den Urlaub. Die Kuscheltiere saßen auf dem Rücksitz, die Koffer lagen fest verschnürt auf dem Dach. Ich war gut gelaunt auf dem Weg in die Urlaubsreise und sang ein Lied im Radio mit.
Den nächtlichen Gesang hat meine Mutter damals ebenfalls gehört, denn nur kurze Zeit später stand sie im Schlafzimmer:
Was machst du denn da? Du sollst schlafen! Was hast du denn mit der Bettdecke gemacht? So kriegst du doch gar keine Luft!
Hä? Ich sah mich um. Der kleine rote Käfer war verschwunden. Ich saß in der Decke verknotet auf dem Bett. Die Kissen und Kuscheltiere um mich verstreut.


Kinder haben eine beneidenswerte Fähigkeit. Sie bauen sich ihre Welt. Erschaffen sie ganz neu und nach eigenen Regeln. Die Sofadecke wird zur Prinzessinnenrobe, aus Kissen entsteht ein Dinosauriernest, der Teppich wird zum Meer und die Fliesen zum Zauberwald.
Und das ist ganz wichtig für unsere Kinder, denn sie machen sich ihre Fantasiewelt zu nutzen, um darin zu wachsen. Sie ahmen Erlebtes nach und experimentieren mit Emotionen. Sie lernen die Erwachsenenwelt zu verstehen und erproben ihr soziales Verhalten.
Sie üben auch ihre Ängste zu beherrschen, haben sie doch in ihrer eigenen Welt die Dramaturgie selbst in der Hand.


Simsalabim - und jetzt bin ich eine Fee!



Ihre Rollenspiele muss man als Elternteil nicht fördern oder antreiben. Sie nehme ihren ganz eigenen Weg.

Mit den passenden Requisiten kann ich die Zuckermädchen - Fantasie aber noch ein wenig beflügeln.
Eine gefüllte Verkleidungskiste im Spielzimmer ist hier deshalb ein Muss
Krönchen, Kleidchen, Flügelchen und alles was das Mädchenherz erfreut finden sich darin. Aber auch (Stoff) Messer und (Wasser-) Pistolen.
Außerdem haben wir uns vor einiger Zeit ein Kinderschminkset gegönnt.
(Das genieße ich übrigens sehr sehr sehr! Selten sitzt das Mädchen so lange so still und lässt ruhig die sanften Berührungen des Pinsels im Gesicht über sich ergehen.
Schön!)

Wie erlebt ihr die Fantasiewelten eurer Kinder?
Haben sie auch eine oder mehrere Lieblingsrollen, in die sie immer wieder schlüpfen?



Lieblingsgrüße!




P.S.:
Ich habe es nie wieder geschafft, meinen kleinen roten Urlaubsflitzer erneut aus Decken und Kissen zu bauen. Das ist vielleicht der Grund, warum mir das Erlebnis auch so gut in Erinnerung geblieben ist.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Und was denkst du darüber?