11 April, 2013

Kleingewerbe? Thema Impressumspflicht und Preisgestaltung

Im Kleingewerb-Dschungel ist das Dickicht als Neuling fest und undurchschaubar. Ohne die richtigen Tipps, fällt die Recherche unheimlich schwer.

Nach etwas mehr als einem halben Jahr als Gewerbetreibende sehe ich mich natürlich noch nicht als Profi, aber ich habe sehr viel dazu gelernt und recherchiert.
Mein gesammeltes Wissen möchte ich nun mit euch zu teilen. Viele von euch nähen selbst, einige haben bereits ein Kleingewerbe, andere stehen vielleicht auch vor der Frage:

Kleingewerbe? Ja oder nein?


Bitte beachtet, dass ich hier keine Rechtsauskunft gebe! Ich teile das, was ich selbst weiß und erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Ein Gewerbe eröffnet sich nicht nebenbei und kostet viel Zeit. Bitte recherchiert ausgiebig bevor ihr diesen Schritt geht!


Was ist die Impressumspflicht?
Bei der Weitläufigkeit des Internet und den vielen Unsicherheiten die es mit sich bringt, möchte man seine Identität am liebsten geheim halten.
Eröffnest du ein kleines Unternehmen geht das jedoch nicht!
Die Nutzer deiner Seite möchten natürlich wissen, mit wem sie es zu tun haben. Außerdem muss für eventuelle rechtliche Ansprüche korrekte Kontaktdaten schnell zu finden sein.
Betreiber von Internetseiten müssen ihre Kontaktdaten, nach dem TMG (Telemediengesetz) und dem RstV (Rundfunkstaatsvertrages) preisgeben.
Impressum ist somit nur ein anderes Wort für deine Kontaktdaten.

Wer braucht ein Impressum?
Generell brauchen alle Seiten ein Impressum, auf der Waren und Dienstleistungen gegen Entgeld angeboten werden.
Davon betroffen sind aber auch Blogs, Foren, Facebook Fanseiten, DawandaShops.
Ein Impressum benötigst du nur dann nicht, wenn deine Internetseite rein privaten und persönlichen Zwecken dient. Ein privates Fotoalbum, ein passwortgeschützter Blog...
Die Grenze zwischen privat und halbprivat oder geschäftlich ist hier aber hauchdünn und wird nicht von dir, sondern vom Gesetzgeber gesetzt.
Schon ein kleines Werbeposting oder eine Sponsoraktion kann Grund zur Impressumspflicht auf deinem privaten Blog sein. 

Wie muss mein Impressum aussehen?
Das Impressum darf nicht versteckt sein. Es muss ständig verfügbar und leicht erreichbar sein. Es dürfen meiner REcherche zur Folge maximal zwei Klicks notwendig sein, um die Kontaktdaten zu erreichen. Am besten ist also ein Reiter oder ein Menüpunkt, der von jeder Unterseite erreichbar ist.
Im Netz findest du viele "Impressumsgeneratoren" die dir kostenfrei das für dich passende Impressum generieren. Hier habe ich mir mein Impressum generieren lassen.





Warum ist die Preisgestaltung wichtig?
Es sind doch meine Preise, da kann ich doch machen, was ich will.
Ja stimmt. Das ist richtig. Ich werde garantiert niemandem vorschreiben, wo er seine Preise anzusetzen hat. Dennoch sollte man auch hier einige Faktoren beachten, wenn man langfristig erfolgreich sein möchte.


Wie finde ich dann meinen Preis?
Einen Preis festzulegen ist sehr schwierig. Auch ich habe dabei immer noch Schwierigkeiten, möchte guten Freuden und Bekannten am liebsten 100% Rabatt geben und noch eine Kleinigkeit dazu schenken.
Wichtig ist, dass du hinter deinem Produkt und dem Preis stehst. Dazu gehört auch eine gute Portion Selbstvertrauen, die man sich vielleicht erst erarbeiten muss.
Ist dein Produkt zu günstig, wirft das schnell ein schlechtes Bild auf die Qualität, ist es zu teuer werden die Kunden ebenso abgeschreckt.
Verkaufst du unter dem Herstellungspreis, wirst du niemals schwarze Zahlen schreiben können. Verlangst du utopische Preise, werden nur wenige Kunden bei dir kaufen können.
Auch interessant ist die Zielgruppe, die du mit deinen Artikeln erreichen willst. Nähst du Sakkos für reiche Geschäftsmänner oder Schlüsselanhänger für Teenis und Studenten? Das Budget, dass dein potentieller Kunde zur Verfügung hat legt dir schon ein erstes Range für den Endpreis fest.


Wie setzt sich mein Herstellungspreis zusammen?
Der Preis für deinen Artikel setzt sich nicht nur aus den Stoffkosten und der Arbeitszeit zusammen. Es gehört viel mehr dazu:

Materialien:
Stoffe, Knöpfe, Nähgarn, Webbänder, Textiletiketten, Vliese, Verschnitt...
Werkzeuge und Maschinerie:
Nähmaschine, Bügeleisen, Schere, Rollschneider, Schneidplatte, Stifte, Schnittmuster, Nadeln
Zeitaufwand zur Herstellung:
Stoff auswählen, Stoff bestellen (Versandkosten!), Schnittmuster vorbereiten, Zuschnitt, Nähen, Textilkennzeichnungen anbringen, aber auch anschließendes Aufräumen oder die Korrektur eventueller Fehler gehört mit dazu
weiter vorbereitender Zeitaufwand:
Oft nicht beachtet wird die Zeit zur Erstellung und Bearbeitung schöner Fotos, guter Artikelbeschreibungen,
Kommunikation mit dem Kunden:
ganz wichtiger und auch zeitaufwendiger Faktor! Es werden Mails hin und her geschickt, Maße angefragt, Fotos von Stoffen verschickt. Auch bei Verkäufen hier vor Ort muss ich Zeit einplanen, die Käufer eventuell zu mir einzuladen und Stoffe auszuwählen.
Zeitaufwand nach Verkauf:
ebenso nicht zu vergessen ist die Dokumententation eines Verkaufs, Rechnungen schreiben, Buch führen, Artikel verpacken, zur Post fahren
weitere Kosten:
Einstellgebühren und Verkaufsprovisionen (bei Dawanda), Paypalgebühren, Kontoführungsgebühren, eventuelle Gebühren für IHK, HWK, Verpackungsmaterialien, Verpackungslizenz, Drucker, Papier, Tinte, Spritkosten

Naja, und einen klitzekleinen Gewinn will man bei der ganzen Arbeit ja auch davon tragen. 
Es lohnt sich auf jeden Fall über die Preisgestaltung etwas länger nachzudenken. Wenn man seinen Preis selber nachvollziehen kann, fällt es auch viel leichter, hinter dem Preis und dem Produkt zu stehen.



Bei den letzten Malen gings um das Thema Gewerbeschein, Verpackungslizenz und Textilkennzeichnung.
Weiter gehts schon bald mit Themen wie Rechnungen und EÜR, Haftung, Rückgaberecht, Lizenzrechte, CE-Kennzeichnung...


Lieblingsgrüße!

Kommentare:

  1. Danke für die Infos!

    Umso mehr ich lese, desto mehr schreckt mich das echt ab ^^

    LG
    Melanie

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  2. Ist total schwer den richtige preis zu finden :(

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  3. Alles nur halb so wild. Man muss es langsam angehen und erstmal klein anfangen! Oft gilt das Motto: learning by doing! Wichtig ist nur, dass ihr ein ordentliches Impressum und klare Ansagen für eure Geschäftsabwicklungen in den AGB's stehen habt, um die rechtlichen Dinge abgedeckt zu haben. Alles andere bringt die Zeit mit sich.

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  4. Deine Kleingewerbe?-Reihe gefällt mir echt gut. Erst hatte ich die Einträge in meinem Reader ausgelassen, weil ich nicht mit dem Gedanken spiele und ich auch nicht denke, dass ich das je tun werde. Aber es ist wirklich interessant auch für den Käufer zu erfahren, was da eigentlich dahinter steht. Besonders das Thema Verpackungslizenzen war für mich total neu.

    Ich bin schon gespannt auf die Themen Haftung und Rückgaberecht :-)

    Viele Grüße
    minnies

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  5. Uiuiui ... ich überlege ob ich tatsächlich einen Shop bei dawanda eröffnen soll, aber nachdem ich das alles gelesen habe schreckt mich das eher ab :-(
    Scheint doch ein ganz schöner Aufwand zu sein und nicht nur Nähen, Einstellen, Verschicken ... puh.

    Aber vielen Dank für die Infos !

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  6. Ich finde du hast den Nagel auf den Kopf getroffen, und ich würde dich gerne in meinem Blog verlinken, dar ich das ???? Liebe Grüße Lilli

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  7. Huhu....ersteinmal vielen lieben dank für deine viele Arbeit...mir hat es sehr geholfen. Allerdings habe ich eine kleine frage noch auf die mir nicht emma, das Finanzamt eine Antwort geben konnte. Und zwar habe ich nun ein nebengewerbe und Falle unter die Kleinunternehmer Regelung und habe nicht den kleinsten Schimmer wieviel Geld ich von meinem Einnahmen beiseite legen sollte in Prozent eventuell für die steuern die ja erst im Nachhinein anfallen.
    Kannst du mir da helfen?

    Glg Steffi

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  8. Ohh vielen Dank
    ich hab da mal eine Frage dazu:
    Ich habe Visitenkarten die auf meine FB Seite und dawanda verweisen, nu hat mir gesagt das ich auch dort meine Daten mit angeben muss. Auf den Seiten habe ich mein Impressum ordentlich. Stimmt das mit den Karten? Ich verkaufe nur über dawanda

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Und was denkst du darüber?