22 März, 2017

Trödelliese und Bummeltante

Sie bummelt und sie trödelt!
Es gleicht einer unfassbaren und unheimlich nervenaufreibenen Kunst, wenn man sie dabei beobachtet.

Wenn der Wecker klingelt, springt sie aus dem Bett. Ist hellwach, bereit für den Tag und will gleich wissen, was heute alles ansteht.
Aber dann geht es los! Die anfänglich Euphorie den Tag zu beginnen scheint Trug gewesen zu sein und wandelt sich in ein zähflüssiges, klebriges Honiggefühl. 

Während sie ihren Schlafanzug, singt sie mindestens drei Lieder, tanzt einen Tanz, fällt dramatisch vor ihrem Fillyschloss auf die Knie, erzählt ihren Eulen eine Geschichte.
Beim Anziehen wird jedes Kleidungsstück akribisch dreimal gedreht, dabei murmelt sie unaufhörlich vor sich hin, zieht sich versehntlich die frische Unterhose über die vom Vortag, merkt es erst, wenn die Strumfhose schon sitzt und fängt dann von neuem an, aber natürlich erst nachdem sie ihre Kleidungsstücke nebeneinander auf die Badewannenkante gelegt hat. Ganz exakt und mit einem mir unerklärlichen, aber zeitfressendem System.




Beim Zähneputzen führt sie eine ausgeprägte Diskussion mit der Figur auf der Pastatube. Meist mischt sich die krokodilförmige Zahnbürste mit ins Gespräch ein.  Drei Meinungen verlängern eine Diskussion

ins Unermessliche!
Beim Haare kämmen wird die Haarbürste zwischenzeitlich zum fliegenen Einhorn, fliegt über die frischgemachten Betten und landet, mit klirrendem Geräusch, wie eine Fliege am Fenster.
Das ganze Geschehen wird durch nicht enden wollende, immer gleich klingende Ermahnungen meinerseits unterbrochen. Ich brumme ihren Namen mit Nachdruck, wieder und wieder und wieder, um sie in die Realität zurück zu holen. 

Schlussendlich kommt sie die Treppe heruntergetappst, steht mit wirren Haaren in der Küchentür und fragt mit zuckersüßer Stimme: Mama, darf ich auch erst ohne Hose und Pullover frühstücken und mich später anziehen?

Die Antwort ist "Nein", denn die Erfahrung lehrte mich, dass am Schluss nie nie nie niiie Zeit ist, um sich noch zu Ende anzuziehen. Das Frühstück reiht sich in der Geschwindigkeit sauber mit in den Tagesbeginn ein. Das Einkleiden für den Weg zum Kindergarten dauert ebenso lange.
Sie braucht für alles gefühlt ewig und macht mich mit ihrer scheinbaren Unkonzentriertheit und ihrem Bummeln ganz kirre!




Dabei bin ich doch in Wahrheit nur neidisch!
Auf ihre Ruhe, mit der sie in den Tag starten kann.
Auf ihr Interesse für einfach alles!
Darauf, dass sie zulässt, sich ablenken zu lassen und den Moment für sich genießt

Sie ist gar nicht unkonzentriert und unaufmerksam.
Sie ist sogar ganz besonders aufmerksam und einfach wahnsinnig fantasievoll!
So wir der dunkle Fleck auf dem grauen Badezimmerboden, den ich schon seit Wochen mit all meiner Unaufmerksamkeit ignoriere, sofort entdeckt und zu einem fabelhaften wunderbaren Wesen in einer fabelhaften wunderbaren Welt.
Das ist schön!
Das will ich auch können!


Habt ihr das auch mal so gesehen?


Lieblingsgrüße!


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Ein paar Tipps, um den morgenlichen Alltag zu erleichtern könnt ihr hier nachlesen.



Kommentare:

  1. Hej Linda,
    das schafft meine tochter sogar noch mit ihren 13 jahren :0) aber aus der sicht habe ich es nie gesehen...nun fängt die trödelei auch im bad an, aber eher weil die frisur nicht sitzt, nochmal mit dem glätteisen bearbeitet werden muss, gummi rein- gummi raus- die harre sind zu kurz, zu lockig, sitzen nicht, alles sch..... Und dann muss sich geschminkt werden, nur die augen und ein bisschen puder, creme hier und da... meine grauen haare haben inzwischen beträchtlich zugenommen und die geduld ab...müsli zum frühstück ist dann doch nicht das Richtige, das Schwimmzeug muss noch gepackt werden, weil man das ja am abend vorher "vergessen" hat, die schuhe sind nicht sauber und dann kann man die ja nicht tragen,.....KREISCH! Freu dich! sobald deine tochter aus dem einhornwunderalter raus ist, kommt die knallharte Pubertät :0) herrje! ich bin morgens ganz fertig, wenn madame endlich den weg zur schule gefunden hat! Ganz LG aus Dänemark, Ulrike :0)

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  2. Hi Linda.

    Das kenne ich auch und könnte bei uns zu Haus ganz ähnlich ablaufen. Nur das die kleine Trantüte mein Großer ist. Er kommt auch dieses Jahr zur Schule und es ist beruhigend zu lesen, dass man damit nicht allein ist. ;)

    Liebe Grüße aus Berlin!
    Mandy

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  3. Ist das nicht herrlich, das Leben noch so frei und entspannt(damit meine ich die Kleine) zu genießen? Meine Tochter (könnte eine Schwester sein :-)) ist mitlerweile 15 aber wir erzählen in der Familie mit einem Funkeln in den Augen immernoch gerne genau solche Geschichten. Genieße es! - und liebe GRüße an die kleine Maus - weiter so!

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