28 März, 2013

Kleingewerbe? Thema Textilkennzeichnung

Im Kleingewerb-Dschungel ist das Dickicht als Neuling fest und undurchschaubar. Ohne die richtigen Tipps, fällt die Recherche unheimlich schwer.

Nach etwas mehr als einem halben Jahr als Gewerbetreibende sehe ich mich natürlich noch nicht als Profi, aber ich habe sehr viel dazu gelernt und recherchiert.
Mein gesammeltes Wissen möchte ich nun mit euch zu teilen. Viele von euch nähen selbst, einige haben bereits ein Kleingewerbe, andere stehen vielleicht auch vor der Frage:

Kleingewerbe? Ja oder nein?


Bitte beachtet, dass ich hier keine Rechtsauskunft gebe! Ich teile das, was ich selbst weiß und erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Ein Gewerbe eröffnet sich nicht nebenbei und kostet viel Zeit. Bitte recherchiert ausgiebig bevor ihr diesen Schritt geht!


Was ist die Textilkennzeichung?
Klingt kompliziert, ist aber nichts anderes als die Wäschezettel, die ihr aus euren eigenen gekauften Klamotten kennt.
Darauf steht aus welchen Materialien das Nähwerk ist, und zu welchen Anteilen die Materialien vertreten sind. Außerdem sind darauf oft Pflegehinweise und die Größe verzeichnet.

Textiletiketten


Wo gehört die Textilkennzeichnung hin?
Beim Verkauf im Onlineshop gehören die Merkmale zum Einen natürlich in die Artikelbeschreibung mit dem Artikel verbunden. Der Käufer will schließlich schon vor dem Kauf wissen, was genau er da bezahlen soll. Außerdem muss die Information auch direkt im oder am Produkt angegeben sein.
Ob es nun nur ein angehefter Zettel ist, oder die Kennzeichnung ist den Artikel gestempelt oder eingenäht ist, ist dabei nicht näher festgelegt. Die Kennzeichnung muss aber dauerhaft, sichtbar und lesbar sein.
Für Kleidungsstücke finde ich fest eingenähte Etiketten am einfachsten zu händeln. In einigen Artikeln, wie Wendezipfelmützen stört ein großes Etikett natürlich. Dann hänge ich ein Etikett direkt an den Artikel an.


Welche Artikel müssen gekennzeichnet werden?
Alles, was zu 80% aus Webwaren/Textilien hergestellt wird, braucht eine Kennzeichnung. Dazu zählen zum Beispiel Baumwolle, Leinen, Seide, Jersey, sogar Haare, Filz und künstliche Faserstoffe, wie Polyester.
Einige Artikel sind von der Kennzeichnungspflicht nicht betroffen. Näheres ergibt sich aus dem Anhang V und Anhang VI der EU-TextilKennzVO.
Bestickungen müssen nur dann mitberechnet werden, wenn sie mehr als 10% der Oberfläche bedecken.


Was muss auf der Kennzeichnung stehen?
Wie weiter oben schon erwähnt, muss darauf verzeichnet sein, aus welchen Materialien der Artikel besteht. Dabei darf man sich aber keine Materialnamen ausdenken. Ein Kuschelstoff oder ein weicher Materialmix wäre als Beispiel nicht korrekt.
Weiterhin muss die Verteilung verschiedener Materialien in Prozent angegeben sein. An dieser Stelle ist die Haushaltswaage und der Dreisatz immer sehr hilfreich.
Nicht vorgeschrieben, aber sicherlich nicht verkehrt ist die Angabe von Pflegehinweisen. Die Kennzeichnung der Größe eines Artikel erwarte ich bei einem Kleidungsstück und halte sie für selbstverständlich, laut Gesetzgebung ist diese Angabe jedoch freiwillig.


eingenähte Textiletikette - noch nicht ausgefüllt


Woher bekomme ich diese Zettel und was kosten sie?
Zum Thema Textilettiketten zum Einnähen findet man mit Google bereits viele Angebote.
Meine Etiketten sind von einem Dawandahändler.
50Stck davon kosteten ca 2,50€ + Versandkosten. Sie sind nicht so hübsch, aber funktionell.
einen hübschen Textilstempel gibt es zum Beispiel bei Alles-für-Selbermacher *wünsch*
Damit werden die Infos direkt in die Kleidungsstücke gestempelt.



Beim letzten Mal gab ich euch einige Tipps zum Thema Gewerbeschein... (Lest auch die Kommentare durch, dort findet ihr noch mehr gute Infos!)
Weiter gehts schon bald mit Themen wie Impressumspflicht, Verpackungslizensierung, Rechnungen und EÜR, Preisgestaltung, Haftung, Rückgaberecht....

Lieblingsgrüße!

Kommentare:

  1. Gut für deine Tipps, denn viele stoplern glaube ich total planlos in das Abenteuer "Ich verkauf meine Sachen jetzt mal!" und auf manchen Märkten kribbelt es in mir, denn ich mache mir nen kopf um CE und lasse dadurch viel Geschäft einfach sausen und andere verkaufen ohne Plan oder ohne Scheu.
    Oft werde ich gefragt nach der eröffnung eines Shops und ich rate sehr oft ab. es gibt diese grauzone zwischen Hobby und Gewerbe leider nicht mehr
    LG
    Martina

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    1. Hallo Martina,

      ja, was das angeht kann ich dich gut verstehen. Viele tolle Artikel habe ich schon ganz kurz nach der Gewerbeanmeldung aus meinem Shop genommen. "CE" ist das das richtige Stichwort. (dazu komme ich später auch noch)
      Gleichzeitig sehe ich viele Mädels und Frauen, die ganz unbedacht Spielzeug verkaufen, ohne weiter darüber nachzudenken ... hm... da ärgere ich mich natürlich auch.

      Aber was soll man machen? Auf einem Markt wirst du sicher direkt abgeblockt, wenn du die Verkäufer darauf ansprichst.
      Schwierig, ich hoffe meine Reihe hilft da ein wenig :)

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  2. ich bin jetzt schon ein großer Fan Deiner Reihe "Kleingewerbe..." *zwinker*
    ich kann mich mal nur wieder bedanken für Deine Mühen, uns Gleichgesinnte hier ausführlich aufzuklären.
    Seitdem ich Deinen ersten Beitrag zum Thema Gewerbeschein gelesen habe, hab ich mir konkret Gedanken darüber gemacht, war schon beim Gewerbeamt weitere Infos einholen und werde gleich nach Ostern meine Anmeldung machen... mich erreichen mittlerweile nämlich immer mehr Anfragen und ich möchte diese endlich auch annehmen "dürfen"
    ... ich freue mich auf Deine weiteren Beiträge zu diesem Thema.
    Herzlichst
    die Madi

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  3. Vielen Dank auch für diese Tips, Kennzeichnungsetiketten brauch ich wohl doch...bisher hänge ich auch alles an das Produkt mit dran, am Preisschild...Die Größen stempel ich mir mit Stoffstempelfarbe und einem praktischen Größenstempel auf weißes Band und nähe es mit ein. Bisher hat die Farbe auch immer gehalten :-)
    Mit was schreibst du denn die Zahlen auf deine Etiketten?
    LG Steffi

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    1. Ich habe mir dazu einen Textilstift gekauft.

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  4. Ich muss dich wirklich loben. Seit Oktober habe ich mein Gewerbe und versuche auch alles korrekt zu machen, aber der Dschungel ist echt dicht und viele Leute sehr egoistisch. Jeder will sein Ding durchziehen und bloß niemandem einen Tipp geben. Bei meinen Recherchen habe ich auch schon den ein oder anderen Verkäufer gefragt, aber entweder gibt es keine oder nur patzige Antworten nach dem Motto "Sieh zu, dass du deine Infos woanders herbekommst." Kaum einer mag sein Wissen teilen. ALs ob man dadurch zu einer so großen Konkurrenz wird, dass man das Geschäft kaputt macht. Dafür gibt es eh schon viel zu viele auf dem Markt.
    Am besten wäre eine Seite, auf der jeder nachschauen kann, was er darf und was nicht und was alles zu beachten ist. Am besten immer brandaktuell. Das würde viel Ärger ersparen.
    Dass du hier dein Wissen teilst, finde ich klasse. Vielen lieben Dank dafür. (Zum Glück habe ich bisher noch nichts Neues für mich gefunden, also scheine ich auf dem richtigen Weg zu sein.) :-)

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  5. Hallo Mädels,

    nachdem ich heute mal wieder auf die "netten Damen" reingefallen bin konnte ich diese Seite hier entdecken - sehr sehr hilfreich. ABER ich weiß gar nicht wie ich das mit den Prozenten machen soll - wenn ich z. B. einen Jerseystoff vernähe von dem ich mal irgendwann nen halben Meter geakuft habe - woher weiß ich jetzt wie viel prozent von was an meinem Kleidungsstück ist??? - DAs mit dem CE-Zeichen verstehe ich noch immer nicht - ich kann es mir also selber beschaffen und wie weiße ich das nach - bzw. wie kann ich z. B. bei einer Eule nachweisen dass die allen Normen entspricht, ich gehe zwar davon aus, aber woher soll ich dass denn wissen ich bin doch kein Testlabor ;o) - wäre dankbar für Infos aber nur die netten - blöd angemacht haben mich heute wirklich schon genug ;o)) DANKE

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  6. Hallo Anonym,
    Was Jersey angeht, kenn eich mich nicht so gut aus. Schau dich doch mal in Stoff-/Klamottenläden um und sieh dir die Etiketten an oder frage jemanden, der sich mit Stoffen auskennt. Oder google mal nach Jersey. ich weiß nicht, ob Jersey ein "reiner" Stoff oder ein Miuschgewebe ist. ich weiß nur dass Jersey-Laken immer recht weich sind. Es gibt im Internet ja auch diverse Lexika usw. Um festzustellen, ob du einen pflanzlichen, tierischen oder synthetischen Stoff hast oder eine Mischung, kannst du z. B. eine Brennprobe machen. Pflanzliche Fasernbrennen relativ schnell (fast) rückstandsfrei ab, tierische verhalten sich (in der Regel) ähnlich wie Haare und riechen beim Abbrennen entsprechend, sie kräuseln sich. Synthetische schmilzen eher als sie verbrennen und es bleibt evtl. ein etwas klebriger Rückstand. Bei Mischgeweben ist es wohl ähnlich. Kommt darauf an, aus welchen Fasern sie bestehen. Mit den Prozenten ist es schon schwierig, wenn man das nicht weiß. Am besten verwendest du für Sachen, die du für den gewerblichen Verkauf nähst, nur Stoffe, die du kennst und die anderen, deren Zusammensetzung du nicht kennst und auch nicht eindeutig herausfinden kannst, nur für privates.
    Das CE-Zeichen brauchst du für Spielzeug und das muss man, soweit ich das bis jetzt gelesen habe, wohl beantragen und ich glaube, das kostet richtig Geld. Auch hier solltest du mal googlen. Es geht dabei wohl auch um das Produktsicherheitsgesetz, dass auch vorschreibt, dass man bei jedem Artikel die Herstellerangaben machen muss mit komplettem Namen und "ladungsfähiger" Anschrift. Ich glaube, für das CE-Zeichen gibt es eine Prüfstelle, die das auch ggf. vergibt.
    Ich mache zwar kein Spielzeug, aber Textiletiketten habe ich mir (10 Stück für Baumwoll-Artikel und 10 Stück für Polyester-Artikel) bei Wäscheschild.de bestellt und gleich mit Faserangabe, Pflegesymbolen/-Hinweisen und meiner Anschrift. Ich habe bisher keinen anderen Anbieter gefunden, bei dem man so kleine Mengen bestellen kann und dann auch noch mit eigener Konfiguration (man kann selbst angeben, was wie wo auf das Etikett gedruckt werden soll.)
    Bist Du ;Maßschneiderin? Da musst du auch aufpassen bezüglich der Handwerkskammer. Schau mal dort nach, was für dich gilt. Man muss so viel beachten, wenn man gewerblich nähen bzw. genähte Sachen verkaufen will! Kommt aber auch darauf an, was man machen will und in welchem Ausmaß. Und dann muss man das möglichst geschickt im Gewerbeschein angeben, damit einem kein Strick daraus gedreht werden kann. Das ist kein "Vergehen", sondern hauptsächlich eine Frage der Formulierung und ganz legal. Außerdem ist es sicher sinnvoll, sich die § 3 IHKG und § 113 HWO durchzulesen. Ob die in allen Bundesländern gleich sind, weiß ich nicht. Deshalb am besten nach den Gesetzen in deinem Bundesland schauen.
    Ja ja, die ewigen Gesetze. die können es einem ganz schön schwer machen. aber: Nicht unterkriegen lassen! Mach dich zuerst schlau, das ist wichtig! Also Hausaufgaben: Googlen: Textilkennzeichnungsverordnung (hat das Gesetz abgelöst), Produktsicherheitsgesetz, CE-Kennzeichen, IHK-Ordnung, HWK-Ordnung und eben alles, was du sonst noch wissen willst oder musst.

    Viel Erfolg!

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  7. Ich bin begeistert über deine Kleingewerbereihe!!! Viele Dank dafür...ich habe viel gegooglet und gelesen, aber du hast es wunderbar verständlich zusammengefasst.
    Nun hab ich noch eine Frage an dich wie du das machst...ich glaube gelesen zu haben, dass man seine Herstelleradresse mit auf dem Textilkennzeichnungsetikett angeben muss. Weißt du ob das so ist oder ob vielleicht auch einfach die Shopadresse ausreichen würde?
    Liebste Grüße und lieben Dank nochmal für deine Mühen!
    Claudi

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  8. Es ist unglaublich. Jedesmal wenn ich denke ich habe es geschafft tuen sich neue "Regeln" auf. Bei meiner Infosuche bin ich auf Deine Seite gestossen. Und ich kann nur sagen: tausend Dank. Es ist gut zu wissen das man hier bei Dir immer wieder gute Anregungen findet um in die richtige Richtung zu gehen.
    Nochmal Danke und bitte weiter so
    lg
    Kittyoma Gaby Holzer

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  9. Arbeite gerade an einem Blogpost darüber, wie sich der Preis zusammensetzt und bin so auf deinen Blog gestoßen. Ganz, ganz tolle Zusammenfassung der verschiedenen Punkte! Bin ganz arg begeistert von deinem Blog. Hilft mir auch in den Anfängen meines Gewerbe ungemein. Danke dafür!

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  10. Vielen lieben Dank für deine tollen Beiträge!!! Hätte ich schon früher deinen Blog gekannt, wäre mir einiges erspart geblieben. Tausen Dank, ganz hervorragend!!!

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  11. Hallo;),
    ich arbeite mich gerade durch deine wunderbaren Beiträge über Gewerbeschein & Co. Leider ist mir die Berechnung der Faserzusammensetzung von Textilien noch immer unklar. Jersey besteht ja meistens aus Mischfasern - Baumwolle und Elasthan. Wenn Bündchen und Stoff Beispielsweise beide aus 95% Baumwolle und 5 % Elasthan bestehen und ich keine weiteren Stoffe verwende, dann gilt dies auch für die Angabe auf meinem Endprodukt oder? Aber wie gestaltet sich die Sache, wenn zu dem Jersey noch ein Stoff mit 56% Bambus, 24% Baumwolle und 20% Polyester kommt? Muss man dann die Stoffe abwiegen? Vielleicht kannst du mir hier helfen oder einen Tipp geben wo ich weitere Informationen zur Berechnung finden könnte. Ich würde mich sehr freuen!

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  12. Wo bringt ihr bei Wendekleidung wie z.B. Loops und Mützen eure Textilkennzeichnung an? Reicht dann ein Zettel , den man der Ware beifügt?

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    1. Nein, ein Zettel reicht nicht aus. Laut Textilkennzeichnungsverordnung (EU) Nr. 1007/2011 Artikel 14 Absatz 1 muss das Etikett folgendermaßen angebracht sein: "... Die Etikettierung und Kennzeichnung von Textilerzeugnissen muss dauerhaft, leicht lesbar, sichtbar und zugänglich und ... fest angebracht sein."
      Am besten immer innen anbringen. Dort stört es normalerweise nicht bei Loops und Mützen etc...
      Und, was noch ganz wichtig ist: Der Hersteller muss inkl. Adresse auf dem Etikett angegeben sein! Das wird gerne vergessen, ist aber Pflicht - auch für Hobby-NäherInnen ;)

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    2. PS: am besten innen mit Zickzacknaht befestigen. Die bleibt erhalten (ist also fest und dauerhaft wie gefordert), kann aber vom Kunden mit einer spitzen Schere aufgetrennt werden, ohne Spuren zu hinterlassen. :)

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